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Bargeldlose Finanzierung

30. November und 1. Dezember 2017, vom Autor aus dem Englischen übersetzt, mithilfe von DeepL und zweisprachiger Nachbearbeitung.

Nicht reicher, auch nicht ärmer.

In meinem ersten Artikel habe ich gezeigt, wie Geldschöpfung auftritt, wenn eine Bank einem Kreditnehmer einen Barkredit gewährt. Der Geldbetrag war zuvor von einem anderen Bankkunden eingezahlt worden.

In Artikel 10 habe ich die bargeldlose Fassung dieser Vorgehensweise aufgezeigt: der Kreditnehmer erhält den Kreditbetrag nicht als Bargeld, sondern er wird ihn in einem Sichtkonto zur späteren Verwendung zur Verfügung gestellt.

Hier ist die Finanzierung (‘woher kommt das Geld?’) weniger offensichtlich, und ich habe klargemacht, wie in dieser Situation der Kreditnehmer eigentlich selbst sein eigenes Darlehen finanziert: weil der Betrag nicht sofort ausgegeben wird, ist er immer noch in der Bank, so dass die Bank (wenn sie genügend Reserven hat) den nicht verbrauchten Kreditbetrag als Finanzierung für dasselbe Darlehen verwenden kann!

Der Geldschöpfungsprozess ist in diesem Fall offensichtlicher als im Beispiel meines Artikels 1: in Artikel 10 bucht die Bank einfach einen Sollbetrag, der das Darlehen repräsentiert, und den gleichen Betrag auf der Habenseite, um seine Verfügbarkeit für den Kreditnehmer festzulegen.

So entsteht Geld, das es vorher nicht gab. Beachten Sie jedoch – und das ist wesentlich – dass diese Geldschöpfung die Bank nicht reicher gemacht hat: die Bank hat mehr Aktiva (Forderungen), aber auch mehr Passiva (Verbindlichkeiten), und der Saldo der beiden Erhöhungen ist null. Die Verbindlichkeit gilt als M1-Geld, die Forderung aber nicht. Daher die Schaffung von M1-Geld.

Wenn der Darlehensnehmer später einen Teil des Darlehens zurückzahlt, findet der umgekehrte Ablauf statt: sowohl das Darlehen selbst (ein Aktivposten der Bank, Sollseite der Bilanz) als auch seine Verfügbarkeit für den Darlehensnehmer (eine Verbindlichkeit der Bank, Habenseite der Bilanz) werden verringert.

Da wiederum nur die Verbindlichkeit als Geld zählt, bedeutet dies, dass durch die Erlösung Geld vernichtet wurde. Aber es macht die Bank nicht ärmer: der verbleibende Kreditbetrag (Aktivposten) wird wie zuvor ausgeglichen durch den Rest der Sichtkontoforderung des Kreditnehmers gegenüber der Bank.

Was ist, wenn der Kreditnehmer das Darlehen ausgibt?

In Artikel 10 fuhren wir fort, bis zu dem Punkt, an dem der Kreditnehmer den Kreditbetrag zur Verfügung hatte, aber noch nicht ausgegeben hatte. Als Ergebnis konnte die Bank diesen Betrag zur Finanzierung desselben Darlehens verwenden.

Aber was passiert jetzt, wenn der Kreditnehmer einen Teil oder die gesamte Kreditsumme tatsächlich ausgibt? Früher oder später wird er das natürlich machen, denn warum sonst hat er den Kredit überhaupt aufgenommen? Verliert das Darlehen dadurch seine Finanzierung? Schauen wir uns einige Situationen im Detail an.

(Ich gehe hier aus von Geldüberweisungen, wie sie in einigen europäischen Ländern, einschließlich der Niederlande, wo ich wohne, üblich sind. In anderen Ländern (Frankreich, USA) funktioniert das wahrscheinlich mit Schecks. Der Nettoeffekt ist jedoch derselbe. Der Unterschied besteht nur in technischer und organisatorischer Hinsicht.)

Zahlung an einen Kunden derselben Bank

Nachdem die Bank das Darlehen zur Verfügung gestellt hatte, der Kreditnehmer aber noch nichts davon verwendet hatte, stellte sich die Situation wie folgt dar:

Bezeichnung Soll (Aktiva, Forderungen) Haben (Passiva, Verbindlichkeiten)
Bargeld in der Bank 100
Sichtkonto von Dorfbewohner A 100
Sichtkonto von Dorfbewohner B 900
Kredit für Dorfbewohner B 900

Jetzt benutzt der Kreditnehmer einen Teil (sagen wir 90 Euro) des Geldes aus dem Darlehen, das die Bank zur Verfügung gestellt hat, um eine Zahlung an Dorfbewohner C zu leisten, der auch Kunde dieser Bank ist. Buchung:

Bezeichnung Soll (Aktiva, Forderungen) Haben (Passiva, Verbindlichkeiten)
Sichtkonto von Dorfbewohner B 90
Sichtkonto von Dorfbewohner C 90

Auswirkung auf die Bilanz:

Bezeichnung Soll (Aktiva, Forderungen) Haben (Passiva, Verbindlichkeiten)
Bargeld in der Bank 100
Sichtkonto von Dorfbewohner A 100
Sichtkonto von Dorfbewohner B 810
Kredit für Dorfbewohner B 900
Sichtkonto von Dorfbewohner C 90

Für die Bank hat sich im wesentlichen nichts geändert. Es gibt insgesamt 1000 Euro (100 + 810 + 90) in Sichtkonten. Dies wird durch 100 Euro oder 10% an Bargeld gedeckt, das dient als Reserve.

Der neue Besitzer der 90 Euro in der Zahlung, Dorfbewohner C, hat den Betrag zur Verfügung, benutzt ihn aber jetzt noch nicht wirklich. So kann die Bank diesen Betrag wie bisher als Finanzierung für das Darlehen an Dorfbewohner B verwenden.

Dieser Teil des Geldes für das Darlehen kommt immer noch ‘von irgendwo her’, obwohl es ursprünglich das Ergebnis der Geldschöpfung gewesen ist. Das Paradox ist immer noch da.

Die Geldmenge hat sich nicht verändert: sie ist die Summe der Sichtkonten (1000), denn Bargeld in der Bank ist kein M1-Geld und keiner der Dorfbewohner hat im Moment Bargeld. Sie alle haben ihr ganzes Geld auf der Bank.

Bargeldbezug aus dem Darlehen

Angenommen, Dorfbewohner B möchte auch einen Teil seines Darlehens als Bargeld ausgeben oder halten. Ich verwende 50 Euro als Beispielbetrag, ohne besonderen Grund. Die Buchung ist:

Bezeichnung Soll (Aktiva, Forderungen) Haben (Passiva, Verbindlichkeiten)
Sichtkonto von Dorfbewohner B 50
Bargeld in der Bank 50

Die Buchung führt zu diesem Bilanzstand:

Bezeichnung Soll (Aktiva, Forderungen) Haben (Passiva, Verbindlichkeiten)
Bargeld in der Bank 50
Sichtkonto von Dorfbewohner A 100
Sichtkonto von Dorfbewohner B 760
Kredit für Dorfbewohner B 900
Sichtkonto von Dorfbewohner C 90

Jetzt hat die Bank ein Problem: sie kann die Mindestreserveanforderung (von der ich angenommen habe, dass sie 10% beträgt) nicht mehr erfüllen:
50 / (100 + 760 + 90) = 50 / 950 = 5,3%.
Also wird die Bank bald zusätzliche Mittel finden müssen, um als zusätzliche Reserven zu dienen.

Diese plötzliche Verknappung ist nicht ganz realistisch, weil ich in Artikel 10 davon ausgegangen bin, dass die überschüssigen Reserven der Bank (und damit ihre Kreditvergabekapazität, ohne Berücksichtigung der Mindestkapitalanforderung) vollständig für dieses eine Darlehen genutzt wurden. In der realen Welt ist jedes Darlehen viel kleiner als die Reserven, und die Bank wird wahrscheinlich zu jeder Zeit in gewisser Maße Überschussreserven haben, so dass das normale tägliche Bankgeschäft nicht sofort die Mindestreserven überziehen wird.

Zahlung an einen Kunden einer anderen Bank

Bilaterales Clearing

(Um es einfach zu halten nehme ich jetzt die Anfangslage des jetzigen Artikels, also die Endlage vom Artikel 10, als Ausgangspunkt.)

Was genau passiert, hängt davon ab, wie die Verrechnung (auch Clearing genannt) zwischen den Banken erfolgt. Dies kann mit Konten funktionieren, die Banken gegenseitig haben. Dies war in den Niederlanden vor 1990 der Fall. Es gab zwei getrennte Zahlungskreise, einen für die Postbank und einen für alle anderen Banken des Landes. Die Zahlungen zwischen diesen beiden Kreisläufen erfolgten über ein Konto, das die anderen Banken und das Clearinghaus bei der Postbank hatten.

Die Methode mit bilateralen Bankkonten kann auch für den internationalen Zahlungsverkehr (vor und außerhalb von SEPA) verwendet werden, mit Hilfe von Vostrokonten (ungefähr, aber nicht ganz identisch mit Lorokonten) und Nostrokonten.

Wenn Dorfbewohner B einen Teil seines Darlehens (groß 900 Euro), das ihm auf seinem Bankkonto zur Verfügung steht, verwenden möchte für eine Zahlung an jemanden (Partei D) mit einem Konto bei einer anderen Bank, und das Clearing erfolgt wie oben beschrieben, so wird der Betrag überwiesen vom Konto des Dorfbewohners B, auf das Konto das der Bank von Partei D hat bei der Bank von Dorfbewohner B. Die weitere Abwicklung der Zahlung in der Bank von Party D hat keinen Einfluss auf die Bilanz der Bank von Dorfbewohners B.

Die Rolle, die das Konto von Dorfbewohner C im Beispiel innerhalb der Bank gespielt hat, wird nun vom Lorokonto der anderen Bank übernommen. Für die Finanzierung des Darlehens von Dorfbewohner B (worum es in diesem und im vorherigen Artikel geht) macht das keinen Unterschied. Tatsächlich hilft die andere Bank, das Darlehen zu finanzieren (solange das Geld auf diesem Konto nicht abgehoben wird, um es für etwas anderes zu verwenden).

Das Geld für das Darlehen kommt immer noch irgendwo her, und nicht aus der Luft; die Geldschöpfung, der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken zufolge, gibt es aber tatsächlich. Das ist das Paradox.

Clearing über die Zentralbank

In vielen Fällen erfolgt die Verrechnung, das Clearing, von Zahlungen an und von Kunden verschiedener Banken, über eine Zentralbank. Beispiele: DNB in den Niederlanden, die EZB für die Eurozone, föderale und regionale FEDs in den USA.

Eine solche Verrechnung führt effektiv zur Gutschrift eines bei der Zentralbank geführten Reservekontos (das aus Sicht der dezentralen Bank einen Sollsaldo aufweist). Dadurch hat die Bank nach der Begleichung der Zahlung weniger Bargeldreserven (die zum Teil aus echtem Bargeld bestehen und zum Teil aus einer Reserveeinlage bei der Zentralbank).

So wird die Kreditvergabekapazität der Bank durch die Transaktion geschmälert, und die Bank wird sich nach zusätzlichen Mitteln für das bestehende Darlehen umsehen müssen. Die Situation ist ähnlich wie nach einem Bargeldbezug.


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