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Was ist Geld?

10.–11. und 16.–19. Dezember 2017, vom Autor aus dem Englischen übersetzt, mithilfe von DeepL und zweisprachiger Nachbearbeitung.

Monetäres Geld gegenüber Geld im Alltag

Vertraut

Die meisten Menschen kennen den Begriff Geld von klein auf. Also sie wissen, was Geld ist und verstehen, wie es funktioniert.

Wenn sie lesen über Geldschöpfung und Geldvernichtung, meinen sie, sie verstehen diese auch.

Geldschöpfung bedeutet, dass es nachher mehr Geld gibt als vorher.

Geldvernichtung bedeutet, dass es nachher weniger Geld gibt als vorher.

Ganz einfach. Aber stimmt das denn eigentlich? Nein, tut es nicht!

Definitionen

Geldschöpfung und Geldvernichtung sind Begriffe aus der Geldtheorie, einer Unterabteilung der Ökonomie. Sie basieren auf Definitionen verschiedener Geldmengenaggregate. Diese Definitionen werden von Zentralbanken, Nicht-Zentralbanken, Wirtschaftswissenschaftlern und Statistikern verwendet, um die Geldmenge zu messen. Die Definitionen sind, wie sie sind, aus gutem Grund.

Die Definitionen von Geld entsprechen weitgehend die Ideen, die die Leute im Alltag über Geld haben. Aber nicht ganz! Es gibt wichtige Unterschiede!

Beispiele

Einige provokante Beispiele, um dies zu verdeutlichen. (Mehr Einzelheiten hier.)

Wie kann das einen Sinn ergeben?

Was sind nun die Definitionen in der Geldtheorie, die solche scheinbar seltsamen Konsequenzen haben? Warum ist Geld so kontraintuitiv, und so häufig anders als Geld?

US-Notenbanken

Mai 1961 veröffentlichte die Federal Reserve Bank of Chicago ein Dokument mit dem Titel Modern Money Mechanics. Sie wurde mehrmals überarbeitet, zuletzt Juni 1992.

Es ist auch bei Wikisource oder als PDF bei Wikimedia erhältlich.

Ich zitiere übersetzend von obenan auf Seite 14 in der PDF-Datei:

Geld ist definiert als der Gesamtbetrag in Konten bei Banken und anderen depository institutions, an Bargeld und Reiseschecks, in den Händen des Publikums.

Und in der Einleitung, in der rechten Spalte von Seite 2 (hier in Wikisource) lesen wir:

In den Vereinigten Staaten nimmt heutzutage das in Transaktionen verwendete Geld hauptsächlich drei Formen an – Bargeld (Papiergeld und Münzen in den Taschen und Geldbeutel des Publikums); täglich fällige Guthaben (unverzinsliche Zahlungskonten bei Banken); und andere Einlagen die man direkt für Zahlungen benutzen kann, wie z.B. NOW-Konten [ein typisch amerikanisches Phänomen, das wir hier nicht kennen; ähnlich wie sofort abhebbare Sparguthaben]), bei allen depository institutions, ein­schließ­lich Handelsbanken und Sparkassen, Spar- und Kreditvereinigungen und Kreditgenossenschaften.
[...]
Da 1 Dollar in Bargeld und 1 Dollar in Sichteinlagen frei ineinander kon­ver­tier­bar sind und beide direkt für Ausgaben verwendet werden können, sind sie in gleichem Maße als Geld zu betrachten. Allerdings werden nur die Kassenbestände und Guthaben des Nichtbankenpublikums in die Geldmenge einbezogen. Ausgeschlossen sind Einlagen des US-Finanzministeriums, von depository institutions, ausländischen Banken und offiziellen Institutionen sowie Tresorgeld in depository institutions.

Die Fed heute

Der Gouverneursrat des Federal Reserve System definiert hier die Geldmenge; ich zitiere wieder übersetzend:

Die Geldmenge wird gemeinhin als eine Gruppe von sicheren Vermögens­werten definiert, die Haushalte und Unternehmen nutzen können, um Zahlungen zu leisten oder als kurzfristige Anlagen zu halten. Zum Beispiel, US-Währung und Guthaben auf Girokonten und Sparkonten sind in vielen Maßstäben der Geldmenge enthalten.

Euroraum

Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärt die Geldmengenaggregate wie folgt: (siehe unter “Monetary aggregates background”), aus dem ich zitiere:

Die monetären Aggregate umfassen die monetären Verbindlichkeiten der MFIs und der Zentralregierungen (Post, Treasury) gegenüber Einwohner der Euroraum-Länder, ausgenommen die Zentralregierungen.

M1 ist die Summe aus dem Bargeldumlauf und den täglich fälligen Einlagen; M2 ist die Summe aus M1, Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren und Einlagen mit einer Kündigungs­frist von bis zu drei Monaten; und M3 ist die Summe aus M2, Repurchase-Geschäften, Geldmarkt­fonds­aktien/-Anteilen und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

MFI bedeutet dabei monetäres Finanzinstitut. Wahrscheinlich ungefähr das Gleiche wie das, was die FEDs als “depository institutions” bezeichnen.

Definitionen (noch einmal)

Der wesentliche Punkt ist:

Geld im monetären Sinne ist das Geld, das dem Publikum (d.h. den Haushalten und Unternehmen) zur Verfügung steht.

Was sofort verfügbar ist, ist M1. Was sofort und nach einiger Zeit verfügbar sein kann, ist M2/M3. Was nicht oder erst nach langer Zeit verfügbar ist, ist überhaupt kein Geld!

Diese Definitionen sind sinnvoll, denn sie definieren wie viel Geld es gibt, die Geldmenge, wie viel Geld die Menschen ausgeben können.

Und eben diese Geldmenge ist entscheidend für die Inflation. Die Inflation niedrig zu halten, indem man die Geldmenge beherrscht, ist eine der wichtigsten Aufgaben jeder Zentralbank. Deshalb ist das, was die Zentralbanken wissen wollen und überwachen müssen, die Größe der Geld-Menge und nicht der Geld-Menge!

Einige Beispiele im Detail

Jetzt überprüfen wird einige der obigen Beispiele, um zu sehen, ob sie wirklich den Definitionen von Geld entsprechen.

Dadurch können wir besser verstehen, was Geldschöpfung wirklich ist!

Langfristiges Sparkonto

Wenn Sie Geld auf einem Girokonto (d.h. einem Konto auf Abruf) haben und es auf ein Sparkonto überweisen, hört es auf M1-Geld zu sein. In gewisser Weise hat also eine Geldvernichtung stattgefunden.

Aber offensichtlich nicht Geldvernichtung, denn das Geld auf diesem Spar­konto hat immer noch einen Wert, und der Einleger ist immer noch der Eigentümer – das heißt, der Einleger hat einen Anspruch auf die Bank in Höhe der Einlage.

Wenn das Sparkonto eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren oder eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten hat (nach EZB-Definitionen), ist das Geld auf dem Konto, obwohl es nicht mehr M1 ist, immer noch M2/M3. In gewisser Weise ist dieses Geld also immer noch Geld, weil M2/M3 ja auch eine Form von Geld ist.

Wenn das Sparkonto jedoch eine Laufzeit von mehr als zwei Jahren oder eine Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten hat, bedeutet die Umbuchung des Geldes, dass das nicht mehr M1 und auch nicht M2/M3 ist. Mit anderen Worten, es ist dann überhaupt kein Geld mehr. Es ist aber immer noch Geld, es hat immer noch Wert und die Bank hat es nicht gestohlen.

(Die US-Notenbank unterscheidet nicht nach Laufzeit oder Kündigungs­frist, sondern betrachtet Einlagen unter 100.000 Dollar als M2 und darüber hinaus nur als M3. Seit dem 26. März 2006 veröffentlicht die Fed das Geldmengenaggregat M3 nicht mehr.)

Bargeld in der Bank

Münzen und Banknoten (die beide deutlich Geld sind und einen Wert haben) sind kein Geld, wenn sie sich in der Kasse oder im Tresor einer Bank befinden.

Wenn Sie also Bargeld in eine Bank einzahlen, zerstören Sie dadurch Geld. Als Gegenleistung für diese Einzahlung erhalten Sie jedoch eine höhere Forderung an die Bank, da die Bank den Betrag Ihrem Sichtkonto gut­geschrieben hat.

Dieser Forderung ist Geld, also gibt es zusätzlich zu der eben erwähnten Geldvernichtung, eine Geldschöpfung in gleicher Höhe. Der Netto­effekt für die Geldmenge (d.h. wie viel Geld es insgesamt gibt) ist null.

Dar war allerdings Schritt 1 in meinem allerersten Artikel in dieser Serie.

Dass Bargeld in der Bank kein Geld ist, hat auch Konsequenzen für Schritt 2 in diesem Artikel. In Schritt 2 verlässt Bargeld die Bank und gelangt in das Portemonnaie des Kreditnehmers.

Nach den monetären Definitionen von Geld ist das der Moment, in dem das Geld zu Geld wird (M1)! Das ist also der Zeitpunkt der Geldschöpfung: es gibt mehr M1 als vorher.

Aber diese Geldschöpfung ist keine Geldschöpfung: die physischen Münzen oder Banknoten existieren immer noch so, wie sie vorher existierten. Es wurde nur der Ort gewechselt, von ‘in der Bank’ zu ‘in den Händen des Publikums’, und eben das verursacht die Geldschöpfung, aufgrund einer Definition von Geld , die Sinn macht.

Ein Darlehen aufnehmen

Bei einer anderen Weise, in der Banken Geld erschaffen, die ich in meinem 10. Artikel beschrieben habe, sehen wir einen ähnlichen Effekt wie das, was eben oben erklärt wurde.

Was das Geld angeht (den intuitiven, alltäglichen Begriff), wird sowohl auf der Sollseite als auch auf der Habenseite der Bankbilanz ein finanzieller Mehrwert geschaffen.

Die Bank stellt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag zur Verfügung, d.h. die Bank verspricht, das Geld bereit zu stellen, wann immer der Kreditnehmer es braucht und ausgeben will. Diese Verfügbarkeit wird in der Buchhaltung der Bank auf der Habenseite verantwortet, weil es sich handelt um ein Versprechen, eine Verpflichtung, eine Verbindlichkeit der Bank.

Der gleiche Betrag wird auch auf der Sollseite oder Aktivseite, ausgewiesen. Dort stellt er die Tatsache dar, dass der Kreditnehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt den Betrag an die Bank zurückzahlen muss. Diese Sollbuchung stellt das Darlehen dar. Es ist eine Forderung der Bank an den Kreditnehmer, also ein Vermögenswert aus Sicht der Bank (und eine Verbindlichkeit aus Sicht des Kreditnehmers).

Also, was das Geld angeht, wird Soll durch Haben ausgeglichen.

Was das Geld betrifft (den monetären, technischen Begriff), zählt jedoch nur die Habenseite mit. Die Forderung des Kreditnehmers an die Bank ist M1. Die Forderung der Bank an den Kreditnehmer ist nicht M1. Deshalb: Geldschöpfung. Aber keine Geldschöpfung!

Also ist das, was ich in dem früheren Artikel (Nr. 10) geschrieben habe, richtig: Geldschöpfung gibt es wirklich, aber sie macht die Bank nichts reicher!

Zusammenfassung und Fazit

Die monetären Definitionen von Geldmengenaggregaten sind für die Zwecke, für die sie verwendet werden, sinnvoll. Sie entsprechen jedoch nicht demjenigen, was die Menschen im Alltag intuitiv als Geld verstehen.

Geldschöpfung ist eng mit diesen monetären Definitionen verbunden. Die meisten Menschen wissen, was Geld ist, aber missverstehen Geld. Folglich missverstehen sie auch die Geldschöpfung.

Sie meinen, dass wäre auch Geldschöpfung, aber das ist sie nicht. Deshalb denken sie, dass Banken, die Geld erschaffen, betrügerisch sind.

In Wirklichkeit erschaffen Banken, die Geld erschaffen (automatisch und unbeabsichtigt, als unvermeidlicher Nebeneffekt der Kreditvergabe!) nicht auch Geld.


Ergänzung 21. Juni 2013

Im Nachhinein betrachtet, sind die beiden Interpretationen des Begriffes ‘Geld’, die ich in diesem Artikel unterschieden habe, die zwei bekannten Funktionen von Geld:

Was ich als Geld angebe, stellt Geld als Tauschmittel dar.

Was ich als Geld andeute, stellt weitgehend Geld als Rechnungseinheit dar (auch in gewisser Weise als Standard für gestundete Zahlungen und als Wertmaßstab).

Zum Beispiel können Sie den Wert eines Hauses als Betrag in Dollars oder Euros schätzen. Aber das macht diesen Betrag nicht zu einem Tauschmittel (solange das Haus nicht tatsächlich den Besitzer wechselt) und er ist nicht Teil der Geldmenge.

Auch der restliche Betrag eines Bankkredits kann in Dollar oder Euro usw. ausgedrückt werden, je nach Fall. Aber das macht diesen Betrag (wie viel der Kreditnehmer der Bank noch schuldet) nicht zu einem Tauschmittel.

Man könnte also auch sagen, dass die Geldschöpfung von vielen Leuten so schlecht verstanden wird, weil sie die verschiedenen Funktionen des Geldes nicht richtig unterscheiden. Geldschöpfung bedeutet eine Vergrößerung der Geldmenge, und im Begriff der Geldmenge wird Geld nur als Tauschmittel betrachtet, nicht in einer seiner anderen möglichen Rollen.

Diese Verwirrung wurde kürzlich auch erwähnt in einigen anderen von mir geschriebenen Artikeln, nämlich hier und hier.

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